Artenschutz selbstverständlich - Ein altes Handwerk in jungen Händen
Pelzgeschäft Tschuncky - Jungunternehmer kümmert sich auch um gemeinsame Aktivitäten am Hüttenberg
Wenn am Hüttenberg vor einem der Läden ein Ficcus im Kübel steht oder ein Blumenstock, dann sicher vor dem Pelzgeschäft Tschuncky. Auch sonst ist der Jungunternehmer rührig bei Planung und Durchführung gemeinsamer Aktivitäten der Geschäftsleute am Unteren Hüttenberg. Als Jörg Tschuncky vor sechs Jahren den Laden im Parterre des Hauses 15 anmietete, war er 25 Jahre alt und der jüngste Kürschnermeister im Saarland.
In der Berufswahl folgte er den Spuren der Mutter und erst recht des Großvaters Alois Sentler. Dessen Geschäftsmittelpunkt war der Obere Markt (über Jahre"Platz der deutschen Wehrmacht "). 1934 kam Alois Sentler aus Westfalen nach Neunkirchen, arbeitete während vier Jahren in seinem erlernten Handwerksberuf und eröffnete schon 1938 im Hause Spies (Reinigung Müden) ein Geschäft mit Rauchwaren und Textilien für Herren und Damen. Total ausgebombt ging es nach dem Krieg an gleicher Stelle erst einmal in einer schnell aufgebauten Baracke weiter. Damals waren Muffe und Pelzkragen aus Kanin- und Ziegenfell sehr begehrt. Mützen und Hüte wurden Verkaufsschlager. Auch hier war im Verkauf die gute Seele die Ehefrau Martha geb. Wagner, aus einer weitverzweigten Familie Neunkirchens stammend.
Von 1953 ab war die Tochter Lore mit im Geschäft, schloß die Ausbildung als Kürschnergesellin ab, war auch zuständig für die drei großen Schaufenster im Hause Weinkauf (heute Villeroy & Boch), wohin Sentler inzwischen umgezogen war. 1971 wurde der Verkauf von Textilien aufgegeben, und Alois Sentler arbeitete nur noch als Kürschnermeister in Räumen in der ersten Etage des eigenen Hauses neben dem Burgtheater. Erinnerungen werden da wach an den"Fürst Heinrich im Parterre". Jörg Tschuncky bietet seine Pelze entsprechend dem Washingtoner Artenschutzabkommen an: Konfektion, Maßanfertigung, Umarbeitung sowie hochwertige Lammlederwaren für Damen und Herren, mit Rat und Tat zur Seite Lore Tschuncky.
Quelle: Bericht vom 24.04.05 Saarbrücker Zeitung
Foto: Engel
Edle Stücke aus erfahrener Hand
Jörg Tschuncky steht in seinem Laden in der Hüttenbergstraße einer Kundin im Pelzmantel gegenüber und mustert das Erscheinungsbild kritisch. Hier hebt er den langen Pelz an, dort lässt er mit geschickten Handgriffen und Fingerkniffen ein Stück zurücktreten, an einer anderen Stelle rafft er das Material etwas zusammen.
Die Kundin hat den Mantel bereits seit vielen Jahren im Schrank hängen, weil er vom Schnitt her längst aus der Mode gekommen ist, aber trennen möchte sie sich von dem guten Stück auch nicht. Ihre Rettung scheint da Jörg Tschuncky zu sein.
Der 41-jährige ist Kürschnermeister, seit 16 Jahren mit eigenem Geschäft Tschuncky – Mode in Pelz und Leder für Sie und Ihn –, und er hat ein Auge nicht nur für Materialien, sondern auch für seine Kundschaft. Umarbeitungen, wie für die Kundin, die ihn gerade um Hilfe gebeten hat, gehören genau so zu seinem Tagesgeschäft, wie Reparaturen, Maßanfertigungen und wunderhübsche Eigenkreationen.
Schmeichelweiche Jacken und Mäntel aus gerupftem Nerzfell, aber auch mit geschorenem Grannenhaar, geprägt, gelasert oder gedruckt laden zum Kuscheln ein, superweiche und federleichte Lederjacken versprechen höchsten Tragekomfort und ein ausgefallen in Animalprint bedruckter, modern geschnittener Mantel aus Kaninchenfell ziert die Auslage. Jörg Tschuncky versteht sein Handwerk.
Hat er es doch quasi in die Wiege gelegt bekommen. Schon sein Großvater Alois Sentler legte die Meisterprüfung in der Kürschnerei ab und eröffnetet 1938 in Neunkirchen sein Geschäft. Und auch Jörg Tschunckys Mutter Lore kann mit einem Gesellenbrief aufwarten. Wen wundert es da, dass der Filius nicht nur ebenfalls das Kürschnerhandwerk erlernt hat, sondern seinerzeit auch noch Landessieger der Kürschnerjugend in Frankfurt wurde und obendrein 1989 auch noch den Meistertitel obendrauf packte. Seitdem berät er seine meist weiblichen Kunden ausführlich, rät auch schon mal von dem einen oder anderen Stück ab und lässt seinem Atelier, in dem er meist allein, gelegentlich aber durch Mutter Lore unterstützt, wahre Kunstwerke entspringen.
Sein Lieblingsmaterial ist Nerz, Nerz und noch mal Nerz. Weil das Material vom Preis-Leistungs-Verhältnis optimal ist und die Sachen unwahrscheinlich strapazierfähig ist, so Jörg Tschuncky. Aber auch Lammfelle und Kaninchen kommen zum Einsatz. Und für Besätze auch Füchse.
Seine Eigenkreationen werden ergänzt durch Produkte der renommierten Firmen Christ und Inga Barth. Einen Pelzliebhaber, auf dessen Wünsche Jörg Tschuncky nicht eingehen kann, gibt es fast nicht. Was sich auch darin zeigt, dass einige Kunden auch lange Wege auf sich nehmen, um genau bei ihm einzukaufen. mal
Quelle: Bericht vom 18.10.05 Saarbrücker Zeitung
