Edle Pelze aus aller Welt

- Kürschnermeister Jörg Tschuncky
Goldener Bilderbuchherbst mit T-Shirt-Temperaturen wie vor wenigen Tagen wären der Hit am Wochenende. Oder? Nun, Jörg Tschunckys Begeisterung darüber würde sich wahrscheinlich in Grenzen halten. Als einziger Händler des verkaufsoffenen Sonntags käme ihm wohl kühles Spätlese-Wetter gelegener. Was man ihm nachsehen muss; Pelzmäntel machen bei 20 Grad im Schatten einfach wenig Sinn - ganz egal, ob es sich um Lamm aus Neuseeland, Syrien, Südamerika oder Namibia, Zuchtnerz und Fuchs aus Skandinavien und Amerika oder Nutria aus Südamerika handelt.
Frauen- und Männerträume aus diesen edlen Fellen präsentiert der Kürschnermeister in seinem kleinen, feinen Ladenlokal in der Hüttenbergstraße. Am 31. Oktober können sich dort Besucher von 13 bis 18 Uhr in aller Seelenruhe umschauen und bei einem Gläschen Sekt fachkundig beraten lassen. Tschuncky empfiehlt, den Pkw am Bürgerhaus oder vor dem Geschäft abzustellen.
Wer sich lange nicht mit Pelz- und Ledermoden beschäftig hat, wird ganz schön staunen. Unförmige, Zentner schwere und damit immer eine gewisse körperliche Fitness vorraussetzende Mäntel sind längst pass&;. Tschunckys "Stammlieferant" wirbt gar mit den "leichtesten Lammpelzen der Welt". Zur Demonstration holt der Geschäftsinhaber gern eine der Damenjacken vom Kleiderbügel, knüllt sie problemlos zusammen und lässt schätzen, was so etwas wiegt. Sagenhafte 1100 Gramm - vor zehn, 20 Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit. Doch beim Verarbeiten der Tierfelle, vor allem was das Gerben betrifft, hat sich zum Glück für Verbraucher, Natur und Umwelt einiges getan.
Mit bestem Beispiel voran geht die Firma Christ, die 1954 in Gondershausen gegründet wurde. Mit garantiert PCB (Polychlorierte Biphenyle)-freien Produkte und dem Verzicht auf die unter Krebsverdacht stehenden AZO-Farben stellt sie in der Branche immer noch die Ausnahme.
Der Zeitpunkt für den Kauf eines Christ-Stücks war übrigens nie günstiger. Anlässlich seines 50. Geburtstages hat das Traditionsunternehmen die Spendierhosen an. "Wer eine Christ-Lammfelljacke erwirbt, erhält einen Gutschein für eine kostenlose Reinigung dazu, einzulösen in den nächsten fünf Jahren." Konkret entspräche das einem Wert von bis zu 90 Euro, abhängig von Größe und Länge des Kleidungsstückes.
Ebenfalls goldrichtig ist man bei Tschuncky in Sachen Pelz-/Lederreinigung, Umarbeitung, Maßanfertigung oder Reparatur. "Dank der großen Lebensdauer des Naturmaterials lohnt es sich, alte Teile umarbeiten zu lassen. Oft kann mit geringem Aufwand ein neues, modisches Kleidungsstück entstehen, dass noch viele Jahre gute Dienste leistet." Warum also nicht mit Omas Nerzkrawatte die Jeansjacke der Enkelin aufpeppen, oder den verschossenen Persianer als kuschelig warmes Futter für einen Seidenmantel verwenden.
Quelle: Bericht vom 28.11.04 Saarbrücker Zeitung
Foto: Engel
Kürschnerhandwerk in dritter Generation
Der Neunkircher Kürschnermeister Jörg Tschuncky spricht eine deutliche Sprache. Gefragt nach der Standortqualität seines kleinen Geschäftes „Pelze und Leder Tschuncky“ in der Hüttenbergstraße antwortet er: „Ich bin sehr zufrieden. Meine Kundschaft kommt aus dem gesamten Saarland, schwerpunktmäßig aus St. Ingbert und den Großräumen Neunkirchen und Homburg“. Seit 15 Jahren betreibt der 40 Jahre alte Kürschnermeister das Geschäft in der Hüttenbergstraße 15. Die Gesellenprüfung absolvierte er 1983 in Stuttgart. Für seine außergewöhnlichen handwerklichen Fähigkeiten spricht nicht zuletzt sein Titel als Landessieger der Kürschnerjugend im Bundesleistungswettbewerb. Die Meisterprüfung legte Jörg Tschuncky 1989 ab.
Sein Angebot umfasst alle Arbeiten mit Pelzen. Hierzu gehören Maßanfertigungen im eigenen Atelier sowie Umarbeitungen an den edlen Pelz-Kleidungen wie Jacken oder Mäntel. Ausführliche Beratung sei ihm hierbei sehr wichtig, betont Tschuncky. Zu seinem Angebot zählen auch die superleichten Lammfell- und Lederkollektionen aus dem renommierten Hause Christ, deren Produkte garantiert frei sind von PCB und AZO-Farben. Ferner fertigt Tschuncky textile Hüllen für Innenfutter zur Weiterverwendung älterer Pelzteile in Seide, Microfaser, Wolle - oder Kaschmir-Mischungen.
Jörg Tschuncky betreibt sein Handwerk bereits in der dritten Generation. Großvater Alois Sentler eröffnete im August 1938 sein erstes Geschäft in Neunkirchen. Jörg Tschunckys Mutter Lore führte das Geschäft fort und am 5. August 1985 übernahm deren Sohn Jörg das Geschäft, das inzwischen in die Hüttenbergstraße umgezogen war. In den ersten Jahren nach seiner Geschäftsübernahme stand ihm seine Mutter Lore Tschuncky stets mit Rat und Tat zur Seite.
eng
Quelle: Bericht vom 22.07.04 Saarbrücker Zeitung
Mit Farben gegen das Wintergrau
Im Pelzgeschäft Tschunky findet jeder das Passende
Neunkirchen (nig). Wer glaubt, dass Rot mit Hellgrün und Gelb keine Farbe für eine Lederjacke sei, sollte die Tage mal bei Jörg Tschuncky vorbeigehen. In dessen Schaufenster in der unteren Hälfte der Hüttenbergstraße zieht ein Patchwork- Damen-Blouson derzeit alle Blicke auf sich. "Nach dem vielen Grau des Winters ist das doch genau das Richtige", strahlt der Kürschnermeister und versäumt nicht, auf die hohe Qualität der Velour-Nappa-Leder-Verarbeitung hinzuweisen. Keineswegs mehr eine Selbstverständlichkeit im Bereich Pelz und Leder, bedauert Tschuncky.
Fast schon eine Marktlücke sind heute Modelle in großen Größen. "Die meisten Jacken hören da auf, wo die Probleme anfangen." Nicht so bei Tschuncky. Maßanfertigungen in jeder Gewichtsklasse sind sein tägliches Brot, egal ob klassischer oder moderner Schnitt. Apropos Mode: "Die 70er Jahre sind wieder sehr im Kommen", soll heißen Pastell- und Cocgnactöne, Fransen und viel Velour(Leder). Dessen ungeachtet hält sich der Schwarz- Trend. "Lederjacken in dunklen Tönen bleiben mit am meisten gefragt."
Neben Neuanfertigungen bietet der stellvertretende Landesinnungsmeister natürlich auch die Möglichkeit, Oberbekleidung aus Leder und Pelz umarbeiten zu lassen. Manch altes Erbteil verwandelte sich unter den geschickten Händen des Kürschners zu einer Nerzweste oder einem top-schicken Persianermantel.
Generell gilt: "Bei uns braucht niemand Hemmungen zu haben." Jeder Interessierte kann sich das Sortiment zeigen lassen und ausführlich im Laden infomieren - ohne dass daran automatisch eine Kaufverpflichtung gekoppelt wäre.
Noch ein aktueller Tipp des Fachmanns: "Bevor die Wintermäntel ihren Sommerschlaf im Schrank antreten, sollten sie noch zum Reinigen und Reparieren gebracht werden." Auch wenn das kaum einer weiß: "Pelze müssen ähnlich wie die eigenen Haare gepflegt werden." Unterbleibt die Pflege, verlieren sie an Attraktivität. "Nerze werden beispielsweise grindig." Gewarnt sei auch davor, die Aktion auf den Herbst zu verschieben: "Allerheiligen stehen die Kunden hier wieder Schlange", weiß Tschuncky aus jahrelanger Erfahrung. "Sobald es kälter wird, bricht bei uns das Chaos aus." Da baut man doch lieber vor.
Quelle: Bericht vom 18.03.04 Saarbrücker Zeitung
Comeback: Man trägt wieder Pelz
Verkaufszahlen schnellen nach oben - Branche meisterte Krise mit Runderneuerung ihre Produkte
Pelze kommen wieder in Mode und zeigen sich auf Modeschauen. Wer allerdings glaubt, er könnte jetzt seinen Nerzmantel aus den Mottenkugeln hervorholen, täuscht sich: Neue Farben und Formen sind in.
Kopenhagen (afp). Nach Jahren des Naserümpfens ist Pelz auf dem besten Wege, wieder tragbar zu werden. Klares Zeichen für das Comeback der von Tierschützern verteufelten Luxusmaterie sind die Modenschauen der großen Marken wie Jean-Paul Gaultier oder Givenchy. Die Verkaufszahlen bei Pelz erreichten im vergangenen Winter ein seit 15Jahren nicht gekanntes Hoch, und diese Zahlen schließen sogar den als etwas altbacken verrufenen Nerz ein.
Wer allerdings glaubt, er könnte jetzt seinen Nerzmantel aus dem Exil und den Mottenkugeln hervorholen, täuscht sich: Neue Farben und Formen sind in. Eine schicke Tierhaut ist heutzutage geschnitten, gefärbt, gebürstet oder gar vergoldet. "Den riesigen schweren Mantel, den Sie fünf Mal im Jahr aus dem Schrank holen, können Sie vergessen", sagt Tom Steifel-Kristensen. Seine Firma Saga Furs bei Kopenhagen vermarktet die Pelzproduktion von Züchtern aus Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden - das umfasst insgesamt 6000 Familien, die für 65Prozent der weltweiten Nerz- und 80 Prozent der Fuchsproduktion verantwortlich zeichnen. "Nerz macht heute die Hälfte des internationalen Pelzgeschäfts aus", sagt Vermarkter Tom Steifel-Kristensen. Doch die Nerzmäntel, so der Experte, sind schmaler und dünner geworden, manchmal sogar so kurz geschoren, dass sie wie Samt aussehen, und in allen nur denkbaren Farben getönt.
Diese Runderneuerung der Pelzmode war die Reaktion der Branche auf eine schwere Krise in den achtziger und neunziger Jahren. Warme Winter und der Aufschrei von Tierschützern schreckten Modemacher und Kunden ab. "Das Wetter oder die Konjunktur können wir nicht ändern, also haben wir unsere Pelze überdacht und sie der Mode angepasst", so Steifel-Kristensen. Neuester Kunde des Hauses ist dem Marketing-Manager zufolge der Italiener Giorgio Armani. "Manchmal kommen wir mit Ideen auf die Designer zu, manchmal machen sie uns Vorschläge", sagt Saga-Furs-Kürschnermeister Per Reinkilde. In seiner Werkstatt hängen die Wände voll mit Mustern: kurzgeschorene und mit Laser ausgeschnittene Pelze, mit gelochtem Leder versetzt, mit Pailletten oder Strick verziert - und natürlich in allen erdenklichen Farben.
Die Manager von Saga Furs wünschen sich, dass Pelz nicht nur für die Wintersaison verwendet wird. Die Designer spielen mit: Eher ein Witz war vielleicht der Pelzbikini, aber als leichte Stola für Sommerabende könne der Pelz doch die Paschmina-Schals ersetzen, so findet Steifel-Kristensen. Der Umsatz gibt den Dänen Recht: Ein Plus von 10,8 Prozent im vergangenen Winter ging als größter Zuwachs in den vergangenen 15 Jahren in die Geschichte der Pelzvermarkter ein.
Auf die Zukunft setzen die Pelzmacher auch angesichts des gesunkenen Durchschnittsalters ihrer Kundinnen: Es fiel in den vergangenen sechs Jahre von 49 auf 35 Jahre. Ganz groß im Kommen sind dabei Kunden aus Russland: Der ehemals auch international bedeutendste Pelzproduzent ist mittlerweile einer der wichtigsten Importeure geworden.
Auf 2,5 Milliarden Dollar werden die Einfuhren nach Russland geschätzt, das ist weltweit der zweite Platz gleich nach den Vereinigten Staaten. Die Russen lieben dabei Felle, die sie früher traditionell selbst herstellten, nämlich Zobel.
Quelle: Bericht vom 10.02.04 Saarbrücker Zeitung